Clockwork Orange
von Anthony Burgess, dt. von Harald Müller

Alex, Anführer der Droogs und Beethovenliebhaber, zieht mit seiner Gang durch die Stadt einer nicht allzu fernen Zukunft. Selber Opfer einer degenerierten Gesellschaft und ohne Perspektive, haben sie nur ein Ventil aus dieser staatlich geförderten Ohnmacht:  Brutalität, Raub und Vergewaltigung.
Als Alex bei einem dieser Raubzüge einen Mord begeht, soll er lebenslang ins Gefängnis. Dann  bekommt er die Möglichkeit, an einem Gehirnwäsche-Experiment teilzunehmen, bei dem mittels chemischer Substanzen und medialer Konditionierungstechnik sein krimineller Trieb abgetötet und Alex zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft umfunktioniert werden soll. Doch das Experiment verläuft anders als geplant und so beginnt für Alex eine schmerzvolle Odyssee.


Im Zeitalter eines drohenden Überwachungsstaates, der durch die Eskalation von Gewalt gerechtfertigt wird, erhält der diesem Drama zugrundeliegende, ehemals als utopisch klassifizierte und kontrovers diskutierte Roman (1962) von Anthony Burgess eine brisante Aktualität.  Medien- und Pharmazie-unterstützte Bewusstseinskontrolle wirkt täglich in vielfältiger Weise auf alle Menschen  und die moderne Versklavung durch totalitär-elitäre Interessengruppen innerhalb Politik und Wirtschaft schreitet fast unaufhaltsam voran.


Diese erschreckende Aktualität in Verbindung mit den  Möglichkeiten der künstlerischen Darstellung reizte das ChaOSTheater zur Realisierung des bislang aufwendigsten und provokantesten Projektes seiner nunmehr 6-jährigen Geschichte. Hausregisseur Reza Jafari hat hier eine Inszenierung mit eigener Ästhetik erschaffen, die, obwohl abseits von Roman und der unsterblich gewordenen filmischen Umsetzung (1971) von Stanley Kubrick angesetzt, den Vergleich mit diesen dennoch nicht zu scheuen braucht.

(Stefan Heiner)