Liebe Gäste,

eine Welle der Wut und der Enttäuschung ging vor zwei Jahren durch die Kirche, als das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Kindern in den eigenen Reihen deutlich wurde. Viele, die bislang aus Scham geschwiegen hatten, konnten von Ihren persönlichen Erlebnissen erzählen. Im März 2010 schrieb der Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, an die Mitarbeiter und Menschen in den Gemeinden: "Die momentane Krise stellt die katholische Kirche in Deutschland vor eine ihrer größten Herausforderungen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen stehen auf dem Spiel. Die Kirche wird verändert daraus hervorgehen."


Seitdem ist viel an Aufklärungsarbeit geleistet worden. Den Opfern wurde und wird Gehör verschafft und es werden Hilfen zur Verarbeitung des Erlebten und Erlittenen angeboten. Wir sind gehalten, aufmerksamer und achtsamer miteinander umzugehen. Dies alles ist aber kein Grund, das Thema Missbrauch wieder "zu den Akten" zu legen.


"Das Fest" lenkt unsere Aufmerksamkeit in eine Familie. Christian nutzt das 60. Geburtstagsfest seines Vaters, um ein streng gehütetes und unterdrücktes Familiengeheimnis zu lüften. Schmerzhaft kommt etwas ans Licht, was jeder wusste, niemand wahr haben wollte und alle voreinander verborgen hielten. Zunehmend gerät das Fest aus den Fugen. Die Grundfeste der Familie sind erschüttert, am Morgen ist nichts mehr so, wie es war.


Damit trägt diese Aufführung dazu bei, die Gefühle, die Regeln und Verhaltensweisen unserer Gesellschaft zu spiegeln und zu hinterfragen. "Das Fest" wird uns nachdenklich machen und ich wünsche mir, dass dieses Stück uns aufmerksamer und achtsamer im Umgang mit Kindern und Jugendlichen werden lässt, als wir es bisher gewesen sind.


Markus Frohn

Pfarrer von St. Josef und Fronleichnam